Geistphilosophisches Privatissimum
Hans Imhoff
Hans Imhoff
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Dissertation
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Logik des Plans
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Geliebte Goethes

Logik II

 

 


  Logik des Plans

  Erstes Buch

  (1979)


   Kategorien des
   Spekulativen
   Materialismus


 

 



Erster Abschnitt, 1. - 15.:
Materielle Zeit

 

1. Substanz

Die Substanz ist die sich selbst hervorbringende doppelte NegativitĂ€t. Sie ist alle materielle Zeit, und eben als alle die Bestimmtheit der Unbestimmtheit, zugleich jedoch absolute Bestimmtheit, und alles ist nur diese. So ist das Resultat immer nur eine NegativitĂ€t, oder eine der Seiten der Substanz. Die andere ist, daß das Resultat zum Gesetzten der Substanz als des unbestimmten Absoluten herabgesetzt wird. Dieses, das unbestimmte Absolute, jedoch ist durch das Resultat bestimmt, und dieser Prozeß die Substanz.

2. Existenz des Ideellen

Die Methode, die materielle Zeit, die subjektive und objektive Substanz, die mentale Korrespondenz, die PrÀadaption, die Lukrezische Abweichung wie alle anderen Kategorien sind einerseits nur ideelle Momente des Ganzen, andererseits aber existieren sie auch reell und haben ihr besonderes materielles Leben. So ist Geld die materielle Form der ideellen Vergleichbarkeit aller Waren, die ihrerseits ihre Basis in der materiellen lebendigen Arbeit hat. In diesem Sinne hat das Denken ein ideelles Leben in der mentalen Korrespondenz und ein materielles in den biophysikalischen und. komplementÀren Prozessen des Gehirns. Ebenso die Logik. Die Wissenschaft ist gut beraten, sich auf die Logik als ein lebendiges Korpus zu besinnen und sich ihres besonderen Lebens und seiner Gesetze eigens zu vergewissern und zu versichern. Die Lehre der Logik, wie sie in ihrem eigenen Leben ist, haben wir uns hier zur wichtigen Aufgabe gemacht.

3. Gesetz und Freiheit

Die einfache IdentitĂ€t von Gesetz und Freiheit bringt das Denken in große Schwierigkeiten. Ist das Gesetz die Existenzform der Freiheit und diese der Inhalt des Gesetzes, so kann ihr Prozeß nicht aus ihnen selbst abgeleitet, sondern muß aus dem noch nicht in ihnen liegenden Resultat zurĂŒckgeleitet werden. Nun bestehen aber Gesetz und Freiheit gerade in der je gegenwĂ€rtigen TĂ€tigkeit der Herausarbeitung ihrer selbst zu ihrem Resultate (zur konkreten Allgemeinheit des Entschlusses), so daß die Forderung entsteht, eine ihrer Wirklichkeit angemessene Logik zu entwerfen, die sich nicht auf das Resultat als das Konstituens seiner Kondtituentien zurĂŒckziehen darf. Aus ihrem inneren Kampf, ihrer geradlinigen Dialektik, wĂŒrden sie sich nie zum Leben, einem Resultat entfalten können. Lukrez sah dies schon und postulierte eine geringe Abweichung der Urteilchen vom geraden Weg, ansonsten der Kosmos erstarren mĂŒĂŸte. Die moderne Naturwissenschaft hat eine Menge von Beispielen, wie im Stammbaum der Amphibien oder des Menschen, fĂŒr eine solche Abweichung; die Aufgabe ist lediglich, ihre Logik nun auch zu denken. Es ist die Unbestimmtheit, zu der das Gesetz bestimmt wird, wodurch es sich als Gesetz bestimmt. Dasselbe ist dann die Freiheit, die in dieser Notwendigkeit besteht, welche der Heraklitische Geißelschlag ist.

4. Plan

Die Wirklichkeit hat Planstruktur, oder der Plan ist eine der Struktur der Wirklichkeit entsprechende Konstruktion. Allgemein ergibt der Plan die Schwierigkeit, daß er die Kenntnis des Verlaufs der Wirklichkeit einfach voraussetzt. Er schließt dabei teils aus dem Bekannten, teils aber erschleicht er, daß er selbst es ja sei, was die Wirklichkeit schaffe. Beides fĂ€llt jedoch zunĂ€chst dahin. Einerseits bezieht sich der Plan nĂ€mlich wesentlich auf das Nichtbekannte, und er hat von daher auf das Bekannte zu schließen; nicht umgekehrt. Andererseits schafft er die Wirklichkeit zwar tatsĂ€chlich, aber nur insofern er sie kennt, was jedoch nicht der Fall ist, soweit es ihn als Plan betrifft. In einer bekannten Wirklichkeit wĂŒrde es keinen Plan geben, und in der Wirklichkeit, insofern sie bekannt ist, ist der Plan vernichtet.

Der Plan schafft die Wirklichkeit, insofern er sie kennt, also insofern er sie spiegelt. Er spiegelt sie aber als unbekannte. Er spiegelt, wĂ€hrend es noch nicht existent ist, das Unbekannte, das sich realisieren wird, wie das was sich nicht realisieren wird, als sei es ihm bekannt; oder eben in dieser Voraussetzung, Prospektion, besteht der Plan. Daher muß er als Plan scheitern. Einerseits spiegelt er treu gleichsam die mißlungenen Wege, das heißt, alles was falsch ist, war einmal nicht ganz unmöglich; andererseits ist er selbst die eingelöste Voraussetzung und darum die wahre RealitĂ€t, in der er untergegangen ist.

5. Wahr und falsch

Die Hegelsche Dialektik geht davon aus, daß sich alles, auch das Falsche, im Resultat jeweils als Moment des Wahren erweist. Von hier aus ist es nicht wahr noch falsch, sondern notwendig gewesen; und wahr ist nur das in den Momenten organisierte Ganze, falsch aber die isolierte Seite fĂŒr sich allein. Indem hier nur von dem Resultat ausgegangen wird., sind, die Bestimmungen unvollstĂ€ndig. Das Leben hat gar keinen Anteil an den Erkenntniskriterien, erst die Wissenschaft gibt spĂ€ter, post festum, ihr Urteil ab. Die Wissenschaft maßt sich dieses rĂŒckblickende Urteil zwar mit einigem Recht an, denn die Gegenwart lehrt uns ja diese Wahrheit, daß sie auf wahr und falsch nicht das geringste gibt; aber das enthöbe die Wissenschaft nicht der Aufgabe, eben dieses VerhĂ€ltnis zwischen der IndefinitĂ€t der Gegenwart und dem Urteil ĂŒber das Wahre aus dem Resultat, zu erklĂ€ren, seine Logik zu nennen.

Hölderlin sagte, die Völker sollen nur alles versuchen; Paracelsus, daß Narren wie Wohlgeratene tĂ€glich in Massen hervorgebracht wĂŒrden, diese von den Meistern; und warnt eindringlich vor der Verachtung und Verspottung der Narren, die von den Lehrlingen in der Werkstatt der Natur oder gar von ihren Ungelehrigen geschmiedet wĂŒrden. Denn zunĂ€chst muß alles gleich gelten, gleichsam vor Gott, wie man einmal sagte. Gleichzeitig aber ist diese Gleichheit vor dem Wahren eine Bestimmung des Wahren selbst, welches als die je historische Gegenwart das eine gelten lĂ€ĂŸt, das andere aber nicht. Das Wahre ist in dem VerhĂ€ltnis zwischen ihm um der IndefinitĂ€t das agile Moment, und eben dadurch sein Übergang in das Gegenteil seiner, in die IndefinitĂ€t. Denn das ist eben die Wahrheit, daß das Geltende gleichsam ĂŒber seine Grenzen hinausschießt; das ist das Leben. Umgekehrt ist eben dadurch das Wahre unmittelbar das Falsche, ist selbst sein eigenes falsches Resultat dadurch, daß es sich zum Resultat wird. Es ist dann als das Falsche mit allem gleich, und wieder was es oben war, nun aber mit dem Unterschied, daß es jetzt notwendig gewordenes Falsches ist. Das Wahre ist es selbst als das Falsche, und es gibt das Wahre nur als sein Falsches. Es ist dieses WĂŒhlen der Elemente bei Anaximander, sofort aber schon auch clas Gerechte. So ist das Falsche also sofort das Schuldbezahlen, und diese Seite des VerhĂ€ltnisses in Wahrheit das Wahre, indem das Wahre in sich liquidiert wird., und darin seine Existenz und Recht und damit seine Natur findet.

6. PrÀadaption

Mit PrĂ€adaption bezeichnen die Biologen den fĂŒr sie eigenartigen Sachverhalt der Anpassung von Lebewesen an Bedingungen, die noch gar nicht bestehen. So spricht man dort von der PrĂ€adaption der Crossopterygier und ersten Amphibien an die spĂ€tere kaledonische Umwelt. PrĂ€adaption dĂŒrfte es nach dem Darwinschen Schema nicht geben; die einer Umwelt, der sozialen oder des Lebensraumes, nicht entsprechenden VerĂ€nderungen eines Typus wĂŒrden zu seinem Untergang gefĂŒhrt haben, ehe sie sich zu Konsequenzen hĂ€tten auswachsen können. Im Falle der PrĂ€adaption aber stellt ein Typus, der sich in Ruhe gegen seine Umwelt entwickelte, dieselbe immer mehr vor vollendete Tatsachen, bis zu dem Grade, wo völlig verĂ€nderte Bedingungen auf seine Neomorphe passen. Es finden auch sonst Innovationen statt, die insgesamt die Lebewelt immer wieder in eine neue Gestalt fassen. Hier haben wir ein der Auslese gegenlĂ€ufiges Prinzip, dessen Logik von grĂ¶ĂŸtem Interesse sein mĂŒĂŸte. ZunĂ€chst muß erinnert werden, daß ohne die relative SelbstĂ€ndigkeit der ihren Bedingungen entgegenlaufenden Prozesse keine Evolution denkbar wĂ€re. DarĂŒber hinaus ist die Logik des Erfolges der relativ selbstĂ€ndigen Prozesse von ausschlaggebender Bedeutung. Derselbe tritt nĂ€mlich nur ein, insofern das Feld der Bedingungen prinzipiell eine demselben gegenlĂ€ufige Entwicklung selbst provoziert. Die Logik dieses VerhĂ€ltnisses hat zwei Seiten, einmal spiegelt das System als Monade seine Bedingungen, das anderemal schafft es, ebenfalls als Monade, seine Bedingungen allererst. Es ist die Logik des Plans, auf die hier wieder zu achten ist, nĂ€her darauf, daß sich die Wirklichkeit, indem sie Projektion ist, als prĂ€adaptiv verhĂ€lt, oder die Substanz wesentlich PrĂ€adaption ist. Die Substanz ist diese Voranpassung an sich selbst, und eben darin materielle Zeit.

7. Stellung zur Wirklichkeit

Die Korrektur des objektiven Idealismus durch den Marxschen Materialismus schlug nicht zugunsten der philosophischen Spekulation aus. Dadurch daß, was der Idee vindiziert worden war, das Werk des produktiven Gesellschaftswesens sein sollte, ging der Objektivismus sowohl der idealistischen wie der materialistischen Tradition in der Folge an ein barbarisches VerstĂ€ndnis von Wirklichkeit fast ganz verloren. Was das philosophische Denken angeht. worum es uns hier einzig zu tun ist, so sieht es das faule Ei, zu dem der Begriff der Wirklichkeit in der Welt der spĂ€tbĂŒrgerlichen Sonnenfinsternis verdorben ist, im materialistischen Materialismus der Marxisten durch ungelegte Eier ersetzt. Die Philosophie hat sich jedoch mit dem Begriff dessen abzugeben, was ist, und seine Logik darzustellen ist ihre spezielle Aufgabe. Indem wir nun ungerĂŒhrt an der gĂ€renden Tafel der Zeit unser reines Wasser genießen, so tun wir das doch keineswegs unter Mißachtung ihrer Interessen und KĂ€mpfe, sondern wir beschrĂ€nken uns nur auf deren Essenz. Diese aber besteht in der genannten Korrektur des objektiven Idealismus durch den Marxschen Materialismus und seine Rezeption bei Lenin, deren Begriff des PlanmĂ€ĂŸigen den spekulativen Logiker, und zwar desto mehr, je ungebrochener er sich der Tradition des reinen Denkens verpflichtet weiß, veranlassen muß, die Bestimmungen der allgemeinen Begriffe des Denkens neu zu fassen. In der Logik des Plans ist der höchste Begriff die durch die im Gesamtarbeiter aufgehobene Arbeitsteilung vermittelte Einheit von natĂŒrlicher und menschlicher TĂ€tigkeit. Die Stellung zur Wirklichkeit ist jenes VerhĂ€ltnis der durch ihren Plancharakter mit den Naturprozessen identifizierten gesellschaftlichen Arbeit, welches die Substanz ist. Die Logik des Plans ist der objektive Idealismus an der Stelle des Übergangs der subjektiven in die objektive Substanz.

8. Praxis als Kriterium der Wahrheit

Es ist noch nicht lange her, daß man die Weltbegebenheiten in Gottes HĂ€nden gut liegen glaubte, und es auch aussprach, wenn man sie in seiner eigenen Hand wußte. Heute sind die Völker mehr geneigt davon zu sprechen, sie hĂ€tten ihre Zukunft selbst in der Hand, auch wenn sie keinen besonderen Grund haben, daran zu glauben. Der Angelpunkt des Vertrauens auf die eigene Hand ist die Praxis, ein Begriff, der unglĂŒcklicherweise in das Zentrum der materialistischen Betrachtungsweise des industriellen Zeitalters gestellt worden ist. Man setzt Ideale, Prinzipien, das Höchste, Kategorien außer Kurs und glaubt nur mehr eine vorĂŒbergehende Wahrheit in der vorĂŒbergehenden BestĂ€tigung ebensolcher Voraussetzungen zu haben. Aber man tĂ€uscht sich, die Praxis ist weniger das substantielle VerhĂ€ltnis, in welchem das Bekannte und das Unbekannte als besondere Seiten negiert sind, als vielmehr, wie der 8chrumpfkopf der Menschenfresser, nur der fĂŒr die Hand verkĂŒrzte Inhalt, der auf die Behandlung restringierte Rahmen. Die Praxis ist das substantielle VerhĂ€ltnis nicht an und fĂŒr sich, sie ist eben darum, daß sie Mitte ist, seiner Seiten unbewußtes, auf sich reduziertes, seiner selbst absolut ungewisses FĂŒrsichsein. Und was ihre WĂŒrde ausmacht, der Schöpfer besonderer Welten zu sein, leugnet die Praxis, indem sie leugnet, es als Blinde zu tun.

Es scheint angebracht, diesen wichtigen Begriff genauer zu betrachten. Seine ungeheuere Zauberwirkung steht in der unmittelbaren Folge seines Anspruchs, den metaphysischen Materialismus widerlegt und abgelöst zu haben. Den Anspruch erhebt der Materialismus der Praxis zunĂ€chst mit einigem Recht, wenn er sich als die Praxis definiert, die in ihren historisch aufeinander folgenden Verkehrsformen ĂŒber ebensoviele Gestalten der Entfremdung bis zur absoluten des wissenschaftlichen Plans fĂŒhrt. Marx entwickelt aus der Dialektik der kapitalistischen VerkehrsverhĂ€ltnisse, der industriellen Produktion und der KlassenverhĂ€ltnisse der kapitalistischen Formation, die Logik der historischen Tendenz zur Aufhebung von Ausbeutung und Anarchie. Mit der Expropriation der Expropriateure ist die reale Identifikation der Logik der Produktion und gesellschaftlicher Logik als eine notwendige Möglichkeit gegeben. Hier ist die Nahtstelle zur Logik des Plans. Die Identifikation der durch sich selbst, ihre Werke, nicht mehr gefesselten Menschheit mit der planenden Idee schafft die Bedingungen fĂŒr die spekulative, das heißt wahrhaft materielle, Behandlung der VerhĂ€ltnisse, die in der Logik des Plans statthaben.

Die Schwierigkeit, die dem historischen Materialismus nur noch entsteht, ist einzig die, das Denken von der Entwicklung der Werkzeuge, statt beides von der Logik der Materie, genauer der materiellen Zeit, abhĂ€ngig zu machen. Die bloß umformende TĂ€tigkeit des Menschen, als welche sie von Marx zu Beginn des Werkes ĂŒber das Kapital definiert wird, ist von seiner Schule zum materialistischen Apriori, zur Ontologie des Weltwesens gemacht worden, wodurch der ganze Materialismus der AbhĂ€ngigkeit des Menschen von der Natur in deren AbbildverhĂ€ltnis zu seiner Praxis verkleinert wird. Die Praxis ist nicht nur nicht das Kriterium der Wahrheit, sondern sie hat sogar einzig die Funktion, die Wahrheit zu sistieren, auszulöschen, um als dieses wesentliche Moment in der Logik des Plans erhĂ€lt sie ihre Wahrheit, nicht aus sich, sondern gegen sich.

9. Gegenwart

Die Gegenwart ist die absolute NegativitĂ€t, das Zusammenfallen und Zerbröckeln der Substanz, das ZurĂŒckgehen der Gesetze und der Freiheit in die unbewegliche Starre, die das wahrste Leben ist. Die Substanz, auf ihre reine TĂ€tigkeit ineins mit reiner PassivitĂ€t reduziert, so als reine Materie, dieses Sichineinssetzen der Produktion mit der Auflösung, das Sichbestimmen der Unbestimmtheit als Unbestimmtheit aus ihrer Einheit mit der Bestimmtheit, also eben die UntĂ€tigkeit der Substanz auf der Spitze der totalen TĂ€tigkeit, ist die Gegenwart. Sie ist als das Innere der Substanz deren stĂ€ndiges Ziel, und darin, daß sie einzige ÄuBerung und alles nur diese Äußerung ist, ist sie zugleich die Substanz als gegen sich selbst durchgesetzte Substanz.

10. VerhÀltnis von Methode und Analyse

Es ist die Substanz selbst, die erkennt. Einerseits ist sich aber die Substanz ihrer nur absolut bewußt, insofern sie sich ihrer zugleich unbewußt, ungewiß, ist, andererseits ist Erkenntnis wesentlich Falscherkennen, indem das Interesse am Prozeß in die Widerspiegelung der Monade als perspektivische VerrĂŒckung eingeht. Umgekehrt ist die VerrĂŒckung oder Deklination wesentliches Moment des widergespiegelten Prozesses selbst, die Sonderung in Momente ist identisch mit Deklination, um diese mit materieller Zeit. Materielle Zeit ist die prinzipielle Abweichung von sich selbst, zwar so, daß sie als sie selbst erhalten bleibt und sich zugleich aufhebt. Dies ist die materielle Dialektik der Harmonie.

Die Trennung, die in der wissenschaftlichen Erkenntnis zwischen Methode und Analyse der natĂŒrlichen Substanz eintritt, ist nun wesentlich selbst als Ausdruck der substantiellen TĂ€tigkeit zu erkennen. In der wissenschaftlichen Erkenntnis spiegelt sich die Selbsterzeugung der konkreten Unendlichkeit eben auf diese Weise wider, daß Methode und Analyse jeweils die Momente ihrer doppelten Selbstnegation sind. Die Analyse ist die Auflösung der totalen Unendlichkeit in der Gegenwart, so daß in diesem Untergang nur derselbe als diese Form ĂŒbrigbleibt, welche die Methode ist. Gleichzeitig ist die Gegenwart nur die Abstraktion der konkreten Unendlichkeit, aber eben als diese Abstraktion der ganze absolute Inhalt, die Analyse. Umgekehrt besteht der ganze Inhalt darin, daß sich die Analyse als Analyse aufhebt, und sich nur in dieser Selbstvernichtung als den Prozeß der materiellen Zeit hervorbringt. Die Selbstauflösung aber ist eben der Prozeß oder die Methode. Die Methode ist der absolute materielle Weg, der sich entwickelt, indem er sich zurĂŒcknimmt, und sich zurĂŒcknimmt, indem er sich entwickelt. Indem er die Vernichtung, und in dieser das Hervortreiben ist, ist er ebenso der Inhalt, die Analyse.

Die Wissenschaft hat darauf zu achten, daß also die Methode in der absoluten Analyse besteht. Eine andere Methode ist nur ein anderer Inhalt, und steht nicht zur Debatte. Es muß jedoch die Wissenschaft andererseits ebenso nur als Diskussion der Methode betrieben werden. Im Leben werden Methode und. Analyse von der Gegenwart verschlungen, die jene Rose ist.

11. Experiment

Eine wesentliche Seite der Substanz ist die unendliche Verdoppelung ihrer selbst, einmal in den Monaden, zum andern in der Projektion ihrer selbst als sie. Aus beiden Polen entwickelt sich die Dialektik des gleichen Charakters. Zuerst ist die Monade das Eine, aber sie ist dies als ihr Übergang in das unendliche Ihrgleiche, das ihr Anderes ist, ihr Ausfluß und RĂŒckfluß in sie. Das ist aber dasselbe wie ihre Prospektion, die jeweils aus ihrer Negation erzeugte Substanz. Gehen wir von der Prospektion aus, so muß sie sich auf den unendlichen Inhalt selbst beziehen, der die materielle Substanz oder die ganze Monadologie ist. Die Projektion ist eine solche, daß sie aus dem totalen Ruin der Substanz die konkrete ausgebreitete Bedingung ihrer selbst als Gegenwart erzeugt. So ist also die Verdoppelung eher der doppelte Kampf der Substanz um ihre Vernichtung, in welchem sie sich aus sich heraussetzt, indem sie von dem anderen ihrer selbst, aber als sie, gesetzt wird. Die Verdoppelung ist das zweifache Negative der Substanz, die sich in ihrem Untergang als ihre Bedingung in die Gegenwart setzt.

Das PhĂ€nomen der Verdoppelung ist in der Neuzeit in der Gestalt des Experiments besonders herausgestellt worden. Wie es hĂ€ufig geschieht, ist es von seinen Verfechtern, zuletzt den Naturwissenschaften und dem philosophischen Materialismus, Ă€hnlich der Praxis, zum Absolutum erhoben oder wenigstens zum sichersten Kriterium der Wahrheit gemacht worden. Das Experiment ist jedoch nur eine magere Abstraktion von der unendlichen Verdoppelung der Substanz. Diesem Moment isoliert eine eigene Existenz gegeben, ja ein ganzes Reich erbaut zu haben, war nur recht und billig; es ist aber als Moment zu erkennen und in das natĂŒrliche VerhĂ€ltnis zur unendlichen Wahrheit zu setzen. Die Substanz vernichtet sich, und das ist ihre Entstehung im RĂŒckfluß. Sie ist also dies, daß sie Prozeß ist, um dessentwillen sie untergeht. Ihre Natur ist Ausbreitung, und sie erschöpft sich darin, daß sie sich von ihrem eigenen Produkt die Waffen zu seiner Produktion leiht, die sie vernichtet. Von dieser unendlichen Bewegung wird im Experiment das Fleisch geschĂ€lt, und so erhĂ€lt man die Verdoppelung isoliert. Die Wissenschaft hat gleichsam die alte Regel des ora et labora, durch welche die fertige Welt immer wieder, zur Ehre des Schöpfers wiederholt, eine Instauratio magna perennis, vor Augen treten sollte, fĂŒr die industrielle Produktion hergerichtet und brauchbar gemacht. Ihrer eigenen Dynamik hat die Industrie mit jener Rezeption nicht entsprochen. Wir haben hier in der Geschichte des Geistes denselben Widerspruch, der dann auch welthistorisch zutage tritt, indem die Form der ProduktionsverhĂ€ltnisse dem Inhalt der ProduktivkrĂ€fte zu eng wird. Und es ist zur gleichen Zeit der Plan, der fĂŒr die Ökonomie und die Philosophie entdeckt wird, als die Menschenmassen gegenĂŒber den sie beherrschenden Klassen als historisches Subjekt zur Besinnung kommen.

Das Experiment ist das Ansich des Plans. Die Verdoppelung geschieht hier, entgegen Leben und Erkenntnis, als Substanzerhaltung auf Narrenart, es ist die wahre Spiegelfechterei. Die Substanz, die wesentlich ihre Auflösung ist, wird als das Gegenteil ihrer selbst festgehalten. Da das Gegenteil ihrer selbst aber gerade sie selbst als von ihm bedingte Bedingung ist, dies aber, der Prozeß, nicht sein soll, muß sie zu ihrem Ausgangspunkt zurĂŒck und stĂ¶ĂŸt so auf sich selbst. Dieser Widerspruch, auf der Substanz zu insistieren, sie aber als Substanz gar nicht anzuerkennen; oder auf ihrer Existenz zu insistieren, indem man ihr die Existenz abspricht, ergibt indessen an sich, oder fĂŒr das Experiment, den Zusammenbruch, den die Substanz an und fĂŒr sich in sich erzeugt. Nur leugnet das Experiment seinen Mißerfolg, der doch seine Wahrheit ist. Aber auch das ist notwendig, indem ohne die Verleugnung des Negativen das Experiment sich nicht konstituieren und auf der Spitze seiner Tautologie nicht in die Wahrheit seines Prozesses umschlagen wĂŒrde. Es gibt also das Experiment nur als Beweis seiner Unmöglichkeit, aber als dieses ist es notwendiges Moment der Substanz.

Das Experiment ist der Raskolnikow unter den Gestaltungen der Substanz. Erst der ausgefĂŒhrte Wahnsinn fĂŒhrt es an seine Grenzen und ĂŒber sie hinaus in die unendliche Wirklichkeit zurĂŒck. ZunĂ€chst jedoch ist es diese Isolierung eines Moments der Substanz, die an sich besteht und auch fĂŒr sich nicht zur Einsicht ĂŒber sich zu bringen ist. Mißerfolg und Zusammenbruch des Experiments geschehen schließlich ĂŒber das mangelhafte Resultat. Das Experiment, indem es jeweils nur ein Gesetz oder eine Grenze demonstriert, muß, um der Demonstration selbst willen, sich auf eine Reihe, schließlich auf die unzĂ€hlbare Menge aller Experimente aller Wissenschaft und deren Erweise beziehen. So versucht es wenigstens mit der Unzahl den Mangel an Unendlichkeit wettzumachen, zu der die Wahrheit es zieht. Die Unzahl aller Erweise ist der Übergang des Experiments in die Bewegung der Substanz. Aber die Unzahl selbst kann keinen realen Prozeß begrĂŒnden, sondern leistet gegen ihren Willen das Gegenteil, nĂ€mlich die gegenseitige Vernichtung aller Erweise. Dies ist der Untergang, den die Substanz gegen sich selbst erzwingt, und in dessen Sog alle ihre Momente geraten. Das Experiment aber, indem es sich selbst widerlegt, kommt zu seiner Wahrheit ĂŒber sich nur an sich.

12. VerhÀltnis des Prozesses zum System

Die Menschen sind ihr eigenes Erzeugnis, insofern sie Naturerzeugte sind; indem sie sich selbst erzeugen, erzeugt sie die Natur. Die Grenze, die der Erkenntnis durch die Bedingungen der Selbsterzeugung gesetzt ist, ist immer auch schon ĂŒberschritten. Ehe wir uns bedingen, sind wir bedingt, und indem wir uns der Natur unterwerfen, unterwerfen wir sie uns.

Im Reich des Gedankens hat dieses VerhĂ€ltnis ein GegenstĂŒck im VerhĂ€ltnis von System und Prozeß. Oder man kann sagen, das Denken, in welchem die natĂŒrlichen VerhĂ€ltnisse wiederholt werden, gibt uns die einzelne, es bestĂ€tigende Betrachtungsweise, ihrer Methode und ihrem Inhalt nach, vor. - Das System trat auf mit dem Anspruch das Ganze zu sein, wie es in seiner gedachten Wahrheit ist, und insofern als identisch mit dem Prozeß. GrĂŒnde zur Unzufriedenheit mit dieser Lösung gab es genug, aber ebenso nur wenige, die der Schwierigkeiten, in die die Kritik geraten mußte, Herr wurden. Das System als geschlossenes zu kritisieren ist nĂ€mlich nicht angĂ€ngig, weil sich in seiner Dialektik an und fĂŒr sich System und Prozeß wechselseitig zu Momenten herabsetzen. Indem das System als es selbst vernichtet und in den Prozeß seiner Dialektik mit dem Prozeß gezogen wird, ist es ebenso absolutes Aufgehobensein seiner selbst und seines Gegenteils, und damit absolut vermittelte Offenheit, oder an und fĂŒr sich Prozeß. Gleichzeitig jedoch ist dieser Prozeß als Resultat seiner selbst das System. Statt eines Erfolges hat die Kritik nun gar keinen Anhaltspunkt mehr, denn es hat sich ja gezeigt, daß gerade dann, wenn das System ihre Forderung erfĂŒllt, absoluter Prozeß zu sein, das System sich als vermittelte IdentitĂ€t des Prozesses herstellt.

Ein anderer Vorwurf, der des Idealismus des Systems, erledigt sich ebenfalls durch die Kraft seiner inneren Logik. Je mehr die Materie das PrimĂ€re ist, desto weniger vermag der Geist etwas anderes als sie widerzuspiegeln, desto weniger ist ihm eine falsche Beziehung zur Materie ĂŒberhaupt möglich. In der Tat vermag kein Argument den Idealismus mehr zu stĂŒtzen als das des exzessiven Materialismus. Umgekehrt ist das idealistische System in der Konsequenz materialistischer Argumentation die allerwichtigste Voraussetzung jedes materialistischen Konzepts. Der Beweis liegt inzwischen millionenfach auf der Straße, indem keine Technik, keine Wissenschaft eine grĂ¶ĂŸere und wichtigere Gemeinsamkeit mit den anderen aufweist als den ehemals der idealistischen Philosophie vorbehaltenen Begriff des Systems. Das idealistische System kann gar nichts anderes sein als die notwendige ideelle Form des Systems materieller Systeme, das der Prozeß der Wirklichkeit darstellt.

So scheint gerade das System des absoluten Idealismus durch seine unfreiwillige Reklamation durch den technischen Materialismus unwiderleglicher denn je geworden. Weit entfernt davon aber, ĂŒber die Lösung des spekulativen RĂ€tsels, zu der die Wirklichkeit selbst sich herabließ, die Freude des Erkennenden zu empfinden, beharren dieselben Barbaren des Materialismus, deren Verdienst es ist, den Idealismus wiederaufgerichtet zu haben, darauf, er sei widerlegt, wĂ€hrend die Idealisten des Untergangs, deren Verdienst die reale Geltung des Materialismus um den ganzen Erdkreis ist, darauf beharren, der Materialismus sei widerlegt. Abgesehen nun gleichwohl davon, daß diese bezahlten Ideologen gar nicht berufen noch fĂ€hig sind, Arbeit im Reiche des Geistes zu leisten, ist ihnen doch nicht abzusprechen, daß das Echo ihrer Ungereimtheiten tatsĂ€chlich nur die Unruhe zurĂŒckwirft, die von der spekulativen Logik um die Dialektik von System und Prozeß erzeugt wird. Denn die Spekulation nimmt, anders als die Kritik selbst, die Ergebnisse der Kritik fĂŒr wahr.

Die Dialektik des VerhĂ€ltnisses von Prozeß und System wurde durch die vorgetragene Kritik zwar nur erhĂ€rtet, gleichzeitig aber gerade dadurch auch verĂ€ndert. Es erwies sich, der Prozeß ist nur als System, und das System ist materielle Wirklichkeit. Die absolute HĂ€rte dieser IdentitĂ€t setzt sich jedoch unmittelbar negativ, es ist dies ihre Wirklichkeit, sich negativ zu setzen, oder sie als ihr Negatives hebt sich absolut auf. Indem die absolute IdentitĂ€t, zu welcher Prozeß und System sich realisiert haben, sich durch sich, als Negation, als Negation setzt, ist es diese ihre Verdoppelung, die sie in ihrer Einheit absolut aufhebt und dadurch den Übergang zum Plan vollbringt. Denn der Plan ist nur dies, die absolute IdentitĂ€t durch sich selbst zu ersetzen, oder als Resultat, in welches Prozeß und System sich aufgelöst haben, auf dessen Ă€ußerster Spitze in die reine materielle Zeit und deren Allgegenwart einzufließen. Die materielle Zeit ist darum auch die Ersetzung ihrer als ihr Resultat durch sie als ihr Resultat zwar so, daß sie in reiner absoluter Selbstvernichtung aus sich entsteht.

13. Relative SelbstÀndigkeit der Momente

Der Plan ist wesentlich Negatives, gegen sich selbst erzwungene Aufhebung seiner selbst. Es ist diese Aufhebung des Negativen als des Negativen als des Negativen, was die relative SelbstĂ€ndigkeit der Momente begrĂŒndet. Der Plan ist nĂ€mlich als als Resultat vernichtetes Resultat vernichtetes Resultat, so daß er sich jedesmal nicht nur in sich absolut zurĂŒcknimmt, sondern auch in die Unendlichkeit seiner Momente zerfĂ€llt, deren eigenes Leben sein Leben ist. Es ist dies entscheidend., daß die Substanz nichts ist, als was ihr Anderes ist, und zwar dieses durchaus zugleich auch als Unbestimmtes. Die Substanz ist dies, daß sie ebenso auch nicht ist, und ihre relative SelbstĂ€ndigkeit ist eben zugleich nur als die relative SelbstĂ€ndigkeit ihrer Momente.

In der idealistischen Spekulation war die Idee die absolut bestimmte Wirklichkeit in ihrer begriffenen Wahrheit, reale Vernunft. Die Idee war aber zugleich nur Moment ihres Prozesses, aber so, daß beide identisch waren. Es ist dies aber eine unvollstĂ€ndige Dialektik, wie in der idealistischen Dekadenz des 20. Jahrhunderts verschiedentlich bemerkt worden ist. Es ist nĂ€mlich die Idee ihre reine Selbstvernichtung, oder die Idee ist dies, ihre Aufhebung als Idee als ihre Negation zu sein. Die Idee ist ihre absolute Negation, aber als sie als Negation. In der Tradition der physikalischen Metaphysik haben wir dieselbe Korrektur der gegenwĂ€rtigen Atomphysik an der Leukipp-Demokritschen, welche den Teilchen den leeren Raum, die Negation, noch gegenĂŒberstellte. Wir Heutigen sind der Meinung, daß der Aufbau des Universums rein sein qualifizierter Zerfall sei. Das ist nur logisch zu fassen, und sogleich mĂŒssen wir die Idee, die ihre Negation ist, aus ihr als der Negation ihrer als ihrer folgen lassen. Die Idee folgt aus ihr, aber insofern sie als sie als sie absolut ihre Negation ist.

Die relative SelbstÀndigkeit der Idee ist also ihre NegativitÀt als sie als sie. Sie ist absolut unfrei, indem sie absolut frei ist. Sie ist sich selbst dieses Moment der Unfreiheit, welches ihre Freiheit ist, der heilige Schrecken, mit dem sie ihre Geburten vollbringt. Zugleich ist sie als Ganzes das Gesetz, das ihre Momente, aber nur als Gesetz, brechen. Die Momente als Momente sind die Idee, insofern sie sich als sie als ihre Unbestimmtheit setzt, und die relative SelbstÀndigkeit ist nichts anderes als die Idee als ihre Momente, oder die Negation, die sie selbst ist. Indem die Idee sich zu ihrer Verdoppelung zwingt, ist sie sich die relative SelbstÀndigkeit als ihrer absolut bares Moment ihrer als sie.

14. Logik der Monade, ein und alles

Die Monade ist die Substanz als entfaltete Wahrheit, die farbige Wirklichkeit als der doppelte Widerspruch. Dasselbe ist die Idee, jedoch drĂŒckt die Monade den doppelten Widerspruch in sich absolut auch aus. Denn die Monade ist dieses Ganze, das Teil ist, oder die BeschrĂ€nktheit, die absolut unbeschrĂ€nkt ist. Einerseits ist die Monade dadurch jenes VerhĂ€ltnis, in welchem eins alles, und alles eins ist; sodann aber ist sie andererseits zugleich eben darin das stĂ€ndige IneinanderĂŒbergehen ihrer in sich, oder sie ist sich ihre Verdoppelung, und zwar so, laß sie als sie absolut von sich absieht und sich als sie als Untergang je erschafft. Sie ist sich immer das, was sie, indem sie vergangen ist, als ihr Produkt rĂŒckwirkend produziert hatte. Sie ist das VerhĂ€ltnis des Produkts ihres Produkts, in welchem sie als ihr Produkt und sie als Produkt dieses ihres Produkts absolut tĂ€tige NegativitĂ€t ist. Die Substanz ist nur diese wirkliche Bewegung zweier nicht wirklicher Seiten, oder die auf sich zurĂŒckgefallene Wahrheit, das Apeiron, wĂ€hrend die Monade sich zur ewigen Gegenwart des dĂ€mmernden Seins erschlaffend emporspannt.

Die Monade ist, indem sie die absolute Transparenz gegen sich ist, zugleich absolute Form und absoluter Inhalt, und dies als substantielle Einheit. Daß sie eines und alles ist, hat darum auch die Bedeutung der materiellen Zeit. Die Monade ist die Einheit der Materie so, daB sie unmittelbar die Auflösung der Einheit ist, welches VerhĂ€ltnis die Zeit ist. Die Monade ist so dieses intime VerhĂ€ltnis der materiellen Zeit zu sich. Indem sie alles ist, ist sie auch nur je eines; und damit ist die Zeit, indem sie je die ganze ist, eben als ganze je die leere Zeit, oder dies, ohne Zeit zu sein. Die Monade als absolute Transparenz ihrer gegen sich aber ist zunĂ€chst unmittelbar das Bestimmte, oder absolut der konkrete Prozeß; sie als Prozeß ist sich dies. Indem aber der konkrete Prozeß der produzierte Rekurs der Monade auf sich ist, ist sie als der Prozeß ebenso die permanente Auflösung ihrer Bedingungen, um somit nicht nur sie als das Unbestimmte, sondern sie als sie ist sich als sie absolut ihr Rekurs auf sich. So ist der Prozeß wesentlich Rekurs, und dieser als Transparenz des Seins die einfache materielle Zeit.

Um dies im einzelnen zu betrachten, so ist auf die von der Monade selbst erzwungene Gegenbewegung zu achten. Schafft sich die Monade nĂ€mlich ihren zeitlich materiellen Verlauf, so setzt sie sich als PrĂ€dikat, als Widerstand. Das ist eben ihre TĂ€tigkeit, sich als ihren Verlauf zu setzen, daß sie sich als sich als Widerstand setzt. Das Leben der Monade ist zugleich ihr Widerstand, und eben die Spannung, in der sie sich in ihrem Widerstand als sie realisiert, treibt sie in sich zurĂŒck, lĂ€ĂŸt sie erschlaffen; sie rekurriert. So ist ihr Prozeß ihr Widerschein in ihr, das Grau der Asche unter dem Schein des Weltbrandes. Die Ausdehnung und der Rekurs jedoch, dieser Prozeß der Monade aus sich und gegen sich, bilden die absolute Transparenz der in sich als Monade wechselnd gleichzeitig aufsteigenden und niedergehenden materiellen Zeit.

Spannung und Prozeß sind nur die eine Seite ihrer selbst. Sie beziehen sich auf sich selbst als auf ihr Objekt, und sind sich dadurch ihr Gegenteil, das sein eigenes Leben entfaltet. Indem jedoch dieses Leben nicht ein anderes, sondern dasselbe ist, ist es der Zusammensturz der Monade in sich, oder ihre totale Transparenz. Sofern ist die TotalitĂ€t das wesentliche VerhĂ€ltnis der Materie, welche zugunsten ihres Lichtes an ihrer Spannung sich ruiniert.

15. Materielle Zeit

Der Schluß von dem Resultat auf den zurĂŒckgelegten Weg unterschlĂ€gt die konstituierenden Fehler innerhalb des Prozesses. Dem Konkreten gegenĂŒber kannte die Dialektik des Prozesses nur unkonkrete Momente, oder die Momente wurden entweder aus Ungeraden Gerade gemacht oder zur Unwesentlichkeit herabgesetzt. Vielmehr jedoch entspricht es der Wirklichkeit, daß die Abweichung das Resultat verantwortete.

Die Naturgeschichte hĂ€tte die Kategorie des Sieges des Mißerfolges einzufĂŒhren, ohne die die Auswahl der erfolgreichen ZufĂ€lle eine unfaßbare Tautologie wĂ€re; wie ĂŒberhaupt diese Art des rechtfertigenden Schließens die deutlichen ZĂŒge des Wahnsinns trĂ€gt. In der Physik sind die KĂ€mpfe um die theoretischen und experimentellen Ergebnisse der ideelle Spiegel der materiellen, sich selbst ungleichen und keineswegs konsequent auseinander folgenden stufenweisen Konstellationen. Der qualifizierte Fehler, von Lukrez schon als Deklination oder motus obliquus angedeutet, ist das materielle Substrat der Dialektik, als des tieferen Sinnes, oder des Geistigen, der materiellen Zeit, und damit aller Besonderung.

Die Theorie der materiellen Zeit gehört der Physik an, unsere Aufgabe ist ihre Logik. Indem die Logik jedoch die Logik der Materie oder Natur ist, und diese der Gegenstand der Wissenschaften, bezieht sie sich von einer Seite auch stets auf deren Theorien. Die Logik der materiellen Zeit hat den einzigen Inhalt, die qualifizierte Deklination zu beschreiben. Es ist zu zeigen, daß die qualifizierte Deklination ihr eigener materieller und logischer TrĂ€ger ist, oder es ist dies zu leisten, die Deklination aus der Materie, aber als deren Logik, als sie selbst abzuleiten.

Die materielle Zeit ist die TĂ€tigkeit der Verdoppelung ihrer selbst, und zwar als sie, so daß sie selbst zugleich ihre ZurĂŒcknahme in sich ist. Es sind so diese beiden Momente zu sehen, daß die materielle Zeit absolut konsistent; ist, jedoch nur indem sie, absolut inkonsistent, von sich abgeht. Dies ist jene Bewegung, um deretwillen Materie Zeit ist. ZunĂ€chst ist der Inhalt die konkrete RealitĂ€t, und ihre Form die Bewegung. Dann jedoch, indem RealitĂ€t nur dies ist, Bewegung zu sein, ist der Inhalt die absolute Inkonsistenz, oder der Zeitschub, wĂ€hrend das Sein fĂŒr sich der bloße Rahmen ist, nichts als Hemmung und Rekurs, jene Gegenspannung des Inhalts selbst. Die materielle Zeit hat jene Unterschiede somit aufgehoben, und zu sehen ist nur noch, inwiefern die TĂ€tigkeiten des Inhalts nicht aus ihm selbst als ihm, sondern aus ihm als von ihm als ihm als ihm erzeugtem Inhalt resultieren, oder nicht Konsequenz, sondern Deklination sind.

Deklination schließt nicht nur aus, daß Bewegung geschlossen werden kann oder folgerichtig ist, sondern ebenso, daß sie ĂŒberhaupt verursacht, also auch von vor oder hinter der RealitĂ€t liegenden Deutero- oder MetarealitĂ€ten attingiert werden könne. Bei geschlossener Bewegung handelt es sich um eine auf Ungenauigkeit beruhende Tautologie; bei Annahme eines abliegenden Movens um die Abstraktion vom Wege der Bewegung.  Die Deklination faßt die Bewegung dialektisch als unmittelbar aus der Konsistenz hervorgehendes Resultat der Inkonsistenz, oder sie ist diese sich als sich selbst setzende Einheit von Schluß und RĂŒckschluß. Die Mitte macht ihre Qualifikation, dies, daß die Deklination ineins absolute Bewegung und absolute RealitĂ€t, oder die Wirklichkeit als materielle Zeit ist.

Die materielle Zeit ist von der anderen Seite absolute Negation ihrer als des Resultats. Sie ist dieses Hintersichlassen ihrer in der Abweichung ihrer von sich als ihr und als als ihr als ihr. Es ist diese Deklination, in welcher die materielle Zeit besteht, ein Fortgang, der in absoluter Statik, ein Sein, welches im Zeitschub besteht. Die Deklination ist eben diese Einheit von Vernichtung und Aufbau, welche, indem von der Negation allen Ortes ausgegangen wird, den realen Ort bestimmt. Die materielle Zeit ist ihre Negation so, daß sie als diese Negation als sie negiert ist, indem sie gleichzeitig den Zusammenhang mit sich nicht aufgehoben hat.